Kategorien &
Plattformen

Aktuelles

11. Hessischer Präventionspreis für Projekt „Willkommenstage in der frühen Elternzeit“
Aktuelles
Aktuelles
© Hessisches Ministerium der Justiz

Als Kooperationspartner der Polytechnischen Gesellschaft im Projekt „Willkommenstage in der frühen Elternzeit“ freut sich die Katholische Familienbildung über die Verleihung des 3. Preises.

Lesen Sie nachfolgend die Laudatio von Frau Dorothea Blunck, der Geschäftsführerin des Landespräventionsrates:

Stiftung Polytechnische Gesellschaft  Frankfurt
Willkommenstage in der frühen Elternzeit
Laudatio

Ich freue mich, auch für den weiteren Träger des 3. Preises eine Laudatio halten zu dürfen, nämlich für das Projekt „Willkommenstage in der frühen Elternzeit“.

Die Willkommenstage in der frühen Elternzeit ist ein Kooperationsprojekt der Polytechnischen Gesellschaft Frankfurt am Main und vier Frankfurter Familienbildungsstätten in unterschiedlicher Trägerschaft - unterstützt von der Stadt Frankfurt am Main. Die Willkommenstage richten sich schwerpunktmäßig an Familien mit besonderen Belastungen, sogenannte Schwellenfamilien, die nicht von sich aus auf die bestehenden Angebote in der frühen Elternzeit zurückgreifen - beispielsweise an besonders junge Mütter, Familien in einer schwierigen finanziellen oder sozialen Situation, Eltern ohne Schulabschluss, ohne Ausbildung oder mit geringen Deutschkenntnissen. Der Zugang zu dieser Zielgruppe wird über Fachleute wie Hebammen, Frauen- und Kinderärzte oder Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter vermittelt, die rund um die Geburt der Kinder mit den Familien in Kontakt stehen. Mit dem Projekt werden Familien aktiv angesprochen, die Unterstützung benötigen, von sich aus aber die Angebote der Familienbildung oft nicht nutzen. Es ist ein präventiv ausgerichtetes Programm, das aus drei Säulen besteht: Hausbesuche mit dem Ziel „Beziehungsaufbau“, Willkommenssamstage (zur Informationsvermittlung) und Müttercafés, die der Vernetzung dienen sollen. Familienbegleiterinnen besuchen die teilnehmenden Familien regelmäßig zu Hause und unterstützen sie in Alltags- und Erziehungsfragen. Zu den Willkommenssamstagen wird die ganze Familie in die Familienbildungsstätte eingeladen. Dort erhalten sie gut verständliche und wichtige Informationen über die ersten 12 Lebensmonate des Kindes. Die Müttercafés bieten die Gelegenheit, Kontakte zu den anderen Familien des Projektes zu knüpfen. Ziel der Willkommenstage ist es, die Eltern in ihrer Erziehungskompetenz und in der Eltern-Kind-Bindung zu stärken. Durch die Mischung von Komm- und Gehstrukturen, die Förderung des Austausches der Familien untereinander und das Angebot, die Familienbildungsstätte als längerfristige Anlaufstelle zu nutzen, sind die Willkommenstage ein beispielhaftes Angebot an Familien in schwierigen Lebenssituationen.

Sehr geehrter Herr Professor Kaehlbrandt, in einem von Ihnen verfassten Beitrag „Familienbildung - Die Kraft der Familien nutzen“ aus dem Jahre 2010 in der Zeitschrift Stiftungswelt haben sie ausgeführt, dass die Familienbildung eine stark unterschätzte Ressource für Bildung und Integration sei, obwohl jeder, der sich in Förderprogrammen für „Bildungsungewohnte“ (so haben Sie es damals formuliert) engagiere, die Erfahrung mache, dass man ohne die Einbeziehung und Gewinnung von Familien nicht zum Erfolg kommen könne. Nachgewiesener Maßen hätten nämlich gerade die Familien eine mindestens ebenso starke Prägewirkung wie die klassischen Bildungsinstitute. In diesem Zusammenhang griffen Sie das Ergebnis der LIFE Studie von Professor Helmut Fend auf, die im Januar 2008 in der „Zeit“ vorgestellt wurde, wonach „die soziale Herkunft hierzulande noch langfristiger über den Bildungserfolg von Kindern entscheidet, als bislang angenommen“. Im Vordergrund müsse daher, so Fends Schlussfolgerung, die Hilfe für Familien stehen, die die Chancen des Bildungswesens nicht nutzen oder nicht nutzen können.

Und gerade deshalb ist es wichtig und anerkennenswert, dass es sich Ihre Stiftung zur Aufgabe gemacht hat, neue Wege für Familien in schwieriger Lebenslage, auch und gerade von Zuwandererfamilien, zu finden. Es freut mich daher umso mehr, dass die Verleihung des heutigen Preises in das Jahr Ihres 10-jährigen Jubiläums fällt.

Wenn Experten und Expertinnen von einem „Geschenk für die Stadt Frankfurt“ sprechen und Frau Professorin Meier-Gräwe, die das Projekt evaluiert hat, zu dem Ergebnis kommt, bei den Willkommenstagen handele es sich um eine „kluge und zukunftsweisende Investition in die Humanressourcen der Stadtgesellschaft Frankfurt“, kann ich dem nur ausdrücklich beipflichten.

Sehr geehrter Herr Professor Kaehlbrandt, sehr geehrte Frau Dr. Uhsadel, sehr geehrte Frau Weimer, sehr geehrte Frau Turk, sehr geehrte Frau Kemler, ich darf Sie nun stellvertretend für all Ihre Mitstreitenden nach vorne bitten. Für Ihre wertvolle und anerkennenswerte Arbeit, welche heute völlig zu Recht mit einem Preis gewürdigt wird, meine allerherzlichsten Glückwünsche!

Katholische Familienbildung Frankfurt
Tituscorso 2B60439Frankfurt
Tel.:069 13307790-0